"Das Prinzip der maximal wirksamen Anwendung von Körper und Geist, ...

... ist ein grundlegendes Prinzip, das die gesamte Technik des Judo durchdringt. Doch es enthält nichts Besonderes. Dieses Prinzip läßt sich auch zur Verbesserung der Ernährung, der Kleidung, der Wohnung, der gesellschaftlichen Beziehungen und der Methoden der Geschäftsführung anwenden, es ist somit eine Schule des Lebens. Dieses allumfassende Prinzip bezeichne ich als Judo. Somit ist Judo im weitesten Sinne des Wortes die Wissenschaft und Methodik vom Training des Körpers und der Seele, sowie auch der Regulation aller Lebensprozesse".

Jigoro Kano

Über die Entstehungsgeschichte des Judo

Yoroikumiuchi - Zweikampf in Rüstung

Die Entstehungsgeschichte des Judo reicht vermutlich bis ins 8 Jh. zurück als die Kampfkunst Yoroikumiuchi („Zweikampf in Rüstung“) entwickelt wird. Dessen Blüte vollzieht sich jedoch erst im 11. bis 15. Jahrhundert und besteht aus wenigen Würfen und Griffen, die beim Kampf in voller Rüstung möglich sind.

Ju-Jutsu / Jiu-Jutsu

Damals ist es – selbst den eigenen Palastwachen - streng verboten, die Gemächer des Japanischen Kaisers mit Waffen zu betreten. Es entwickelt sich ein waffenloser Kampfstil, der es erlaubt, sich und den Kaiser mit bloßen Händen zu verteidigen.
Es wird von einer Kampfkunstschule (Shohoryo) berichtet, die sich anscheinend darauf spezialisiert hatte, mit bloßer Hand eine Rüstung zu durchschlagen.

Tokugawa – Epoche des Friedens (1603 bis 1867)

Es folgt eine Epoche des Friedens, in der von den Samurai geführte Ju-Jutsu-Schulen einen regelrechten Boom erfahren.
Als das feudal geführte Tokugawa-Shogunat nach dreihundertjähriger Regentschaft zusammenbricht, eine reguläre Armee geschaffen und die alten Samurai-Abteilungen aufgelöst werden, verstärkt sich dieser Boom noch weiter.

Jigoro Kano

In diese unruhige Zeit wird Jigoro Kano 1860 in der Stadt Mikage als Sohn eines armen Samurai geboren. Nach der Meiji-Revolution 1871 siedelt er mit seiner Familie nach Tokio um, wo er Philosophie und Politikwissenschaften studiert.
Mit 18 entscheidet sich Kano, JuJutsu zu lernen, wird vorerst von Yagi Teinosuke, später dann auch von damals anerkannten Autoritäten wie Hachinosuke Fukuda, Masatomo Iso und Tsunetoshi Ikubo unterrichtet.

Kano, Judo und der Kodokan

Kano ist 22, als er seine Schule, den Kodokan eröffnet, um dort eigene Wege zu beschreiten und zu unterrichten. In seiner kampfkunst, Judo, sucht Kano die Harmonie zwischen Geist und Körper, möchte ein würdiges Verhalten bei seinen Schülern erzielen.
Seine Konkurenz, insbesondere Hikosuke Totsuka, Leiter der Schule Ryoi Shintoru, bezeichnet ihn jedoch – modern gesagt - als „intellektuelles Weichei“ und schwört immer wieder Konflikte herauf. Dies ändert sich erst, als die Tokyoter Polizei einen öffentlichen Entscheidungskampf zwischen den beiden Schulen anordnet, aus der die Schüler des Kodokan als eindeutige Sieger hervorgehen.
Als Folge wird Judo bald bei der Armee und der Polizei eingeführt und später auch an den Oberschulen unterrichtet.

Inzwischen arbeitet Kano weiter an der Vervollkommnung seiner Techniken, die er bis 1887 abschließt. 1922 ist auch die spirituelle Seite abgeschlossen, eine kulturelle Bewegung des Kodokan unter dem Motto: “Maximale Effektivität, Gegenseitige Achtung und Wohlergehen„ entsteht.
1938 stirbt Jigoro Kano mit 78 Jahren an einer Lungenentzündung.

Im Laufe seines Lebens prägte er folgende Lebens- und Trainingsleitsätze:

Chikara-hittatsu: "Die Anstrengungen führen immer zum Ziel".

Jita-kyoei: "Wechselseitiges, gegenseitiges Glück (Ruhm)".

Jundo-seisho: "Der richtige 'Weg' führt zum Ziel".

Seiki-ekisei: "Die eigene Ausbildung soll den anderen zuträglich sein".

Seiryoko-saizen-katsuyo: "Der beste Gebrauch der geistigen und körperlichen Energie".

Shin-shin-jizai: "Geistige und körperliche Geschmeidigkeit".

Sojo-soei: "Sich gegenseitig helfen und nachgeben".

Judo heute

Heute ist Judo eine moderne Wettkampfsportart mit weltweiter Verbreitung. Viele geistige Errungenschaften Kanos sind auf dem Weg dahin auf der Strecke geblieben.

Trotzdem, wer Judo regelmäßig betreibt,

• wird effizient denken und handeln lernen.
Denn 50 kg Eigengewicht richtig eingesetzt können 100 kg zu Fall bringen.

• wird lernen schonend mit anderen umzugehen.
Denn wer seinen Partner auf der Matte nicht schonend behandelt, wird bald keine Partner mehr haben.

• wird lernen zu lehren.
Denn wenn der andere schlecht wirft, falle ich schlecht.

...

Judo ist ohne eine entsprechende geistige Haltung nicht möglich. Und wer nicht gewillt ist, eine solche Haltung einzunehmen, wird früher oder später von der Matte verschwinden.

csc

© Berliner Judo Freunde 1955 e. V. - 2005

 
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